Nachhaltige
Entwicklung bedeutet,
Ökologie, Ökonomie und soziale Entwicklungen so zu
gestalten,
dass die Welt von morgen für alle lebenswert bleibt.
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Nachhaltigkeit
– ein abgedroschener, verwässerter
Begriff?
Nahezu
in allen Lebenslagen werden heute die Begriffe
„Nachhaltigkeit“ bzw. „nachhaltig“
gebraucht, oft in Zusammenhängen, die wenig oder rein gar
nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Nachhaltiger
Konsum, nachhaltige Preise, nachhaltige Entsorgung sind
Beispiele für Verwendungen des Begriffs, die Fragen
aufwerfen:
Kann Konsum nachhaltig sein in Anbetracht der Tatsache,
dass 3/4 der Weltbevölkerung zu wenig zu Essen und zu
Trinken haben?
Sind Preise für Waren nachhaltig, wenn sie tief oder hoch
sind?
Ist die Entsorgung von Atommüll nachhaltig, wenn man die
strahlenden Abfälle in den Bauch der Erde versenkt?
Es scheint, als könne jeder den Begriff der Nachhaltigkeit
dahin biegen, wo er ihn braucht. Nur – er ist nicht
da, wohin er gehört: zur Verletzlichkeit des Planeten und
seinen Bewohnern. Das Wesentliche des Begriffes steckt in
seiner Bestimmung für die gesamte Erde, nicht in einem Teil
davon und schon gar nicht in der Fokussierung auf das
Persönliche. Das Wesentliche ist die Betrachtung der
Vorgänge aus der Wir-Perspektive. Wir sind für den Zustand
der Erde und sogar schon Teile des Weltraums verantwortlich
und ein jeder handelt nicht nur für sich, sondern immer
auch so, dass sich die Welt verändert.
Nachhaltig Handeln bedeutet demnach vorher zu fragen, wem
ich die Lasten meines oft selbstbezogenen Handelns
aufbürde. Ganz im Gegenteil zu jenen Erfolgstrainern, die
uns einzutrichtern versuchen, dass wir alles haben und sein
können, wenn wir es uns nur holen.
Um so schwieriger ist es, den Begriff der Nachhaltigkeit
ursprungsgemäß mit Leben zu füllen. Wir nähern uns der
Nachhaltigkeit, wenn wir statt zu fragen: „Hole ich
so viel wie überhaupt möglich aus meinem Leben
heraus?“ die Sichtweise umkehren: Was ist meine
Aufgabe auf dieser vom Menschen überbeanspruchten Welt?
Welche Beziehung habe ich zu dem Planeten? Wen habe ich an
der Seite der mir hilft, den Missbrauch der Erde zu
beenden?
Nachhaltigkeit ist kein technischer Begriff und sein
Adjektiv kann man nicht beliebig vor ein Substantiv setzen.
Nachhaltigkeit ist vielmehr ein Begriff der Verbundenheit,
verbunden sein mit allem, was existiert. Nachhaltig zu
leben bedeutet, keinen Stein aufzuheben, keine Blume zu
pflücken, keinen Laut von sich zu geben und keinen Gedanken
zu denken ohne sich bewusst zu sein, dass man damit die
gesamte Schöpfung verändert.
Wer den Begriff der Nachhaltigkeit bemüht, sollte sich
dieser Verbundenheit bewusst sein. Vielleicht ist es in
vielen Reden, Präsentationen, Schriften, Filmen,
Nachrichten und in der sprachlichen Kommunikation überhaupt
dann doch eher angebracht, das zu verwenden, was man
wirklich meint, wenn der Begriff „nachhaltig bzw.
Nachhaltigkeit“ auf der Zunge liegt: alternativ,
andauernd, beständig, dauerhaft, fair, fürsorglich,
innovativ, kontinuierlich, langjährig, langwierig,
pausenlos, permanent, respektvoll, rücksichtsvoll, ständig,
unablässig, unaufhörlich, ununterbrochen, stet, dauernd,
durchgreifend, effektiv, effektvoll, eindrucksvoll,
einschneidend, empfindlich, entscheidend, für längere Zeit,
gravierend, sichtbar, tief, tiefgreifend, wirksam,
langfristig, lange, lange Zeit, chronisch, …
Klemens
Gieles 2009
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––